Die 11 Grundsätze des Naturgartens

Unser Garten im Einklang mit der Natur

Dem Gras entspannt beim Wachsen zusehen. Vielfalt genussvoll auskosten. Heimische Pflanzen wertschätzen. Nährenden Kompost ansetzen und Altes verwerten. Lebensräume schaffen. Den Bau von Holz und Höhlen fördern. Den Naturgarten gelassen nach eigenen Gesetzen gedeihen lassen. Jeden Sonnenstrahl aufsaugen. Das Leben zuhause im Grünen in vollen Zügen genießen, denn: Jeder Garten kann zum eigenen, kleinen Paradies werden.

1. Warum Vielfalt so wichtig ist

Artenreichtum? Ja, bitte! Vielfalt bestimmt unser ganzes Leben, und ihr großer Nutzen: Ökosysteme sind umso stabiler, je artenreicher sie sind. In einem natürlichen System wie in einem Garten sind in allen Lebensgemeinschaften, Tiere und Pflanzen zu einem Netz miteinander verwoben. Dies deutet bereits auf die Grundidee eines Naturgartens hin, welcher die Förderung dieser stabilen Artenvielfalt innewohnt.

Eine ausgewogene Vielfalt bietet ebenso einen effektiven Schutz vor Krankheiten und Schädlingen.

2. Vielfalt fördern und dabei Lebensräume kreieren

Sowohl Pflanzen als auch Tiere freuen sich über unterschiedliche Lebensräume und tragen ganz verschiedene Bedürfnisse an diese heran. So werden in deinem Garten etwa Reisig- und Laubhaufen sowie Totholz  besonders gerne von Igeln und Spitzmäusen bewohnt, während sich heimische Amphibien und Reptilien mit Vorliebe in altem Gemäuer einquartieren und dort auch zum Sonnen und Verstecken einladen. Vögel, Bienen und Insekten profitieren von kleineren und größeren Löchern und Höhlen, welche sie sich zum Großteil selbst schaffen: Diese bieten ihnen kuschelige Bruthöhlen und Wohnräume. Besonders beliebt sind totes Holz sowie auch durch Fäulnis entstehende Hohlräume. Um diese natürlichen Lebensräume für unsere tierischen Freunde zu wahren, empfiehlt es sich, Holz grundsätzlich nicht zu imprägnieren und Brennholz für längere Zeit liegen zu lassen.

3. Lebenselixier Wasser

Ein besonders Naturerlebnis bieten kleine Gewässer wie Weiher oder auch kleine Teiche: Über diese schöne wie auch natürliche Oase freuen sich nicht nur Pflanzen, sondern auch eine ganze Vielfalt an verschiedenen Tieren wie etwa Insekten und Amphibien. Diese erfüllen in einem natürlichen Garten zahlreiche wichtige Funktionen und auch, wenn nicht alle Tiere erwünscht sind, so kommt es stets auch auf ihren Bestand an (Blattläuse auf Rosen bieten etwa Marienkäfern eine wertvolle Nahrungsquelle). Erst dann, wenn sie sich in Massen vermehren, lässt sich ihnen eine bedrohliche Bedeutung zuschreiben. Auch erst dann gilt es, sie mit giftfreien Methoden sanft zurückzudrängen: Derartige Eingriffe sind in der Regel lediglich in der Umstellungssphase von Nöten, solange sich noch kein hinreichendes Artenreichtum ausgebildet hat.

4. Tieren Zugang zum Garten gewähren

Etwas, das häufig außer Acht gelassen wird ist der Fakt, dass manche Tiere von unserem Garten regelrecht ausgeschlossen worden. Vor allem Zäune bilden manchmal eine dichte und oft auch unüberwindbare Barriere für Wildtiere wie Igel. Hier empfiehlt es sich, kleinere Luken oder Löcher auszuschneiden, um ihnen Zugang zu unserem Garten und damit Zugang zu Nahrung und Unterschlupf zu bieten.

5. Wiesen als Lebensraum

Wiesenduft liegt in der Luft: Buntgemischte und wildbelassene Blumenwiesen bieten Insekten und auch Schmetterlingen einen optimalen Lebensraum. Meist handelt es sich bei Wiesen um Lebensgemeinschaften aus meist niederwüchsigen und krautigen Pflanzen. Hauptsächlich besteht die Wiese aus verschiedenen Gräsern und Kräutern, zusammen bieten sie zahlreichen Bewohnern Behausung und Nahrung.

Die Wiese setzt sich aus drei funktionalen Schichten zusammen: einer Streuschicht – welche zu einem Großteil aus abgestorbenen Pflanzenteilen besteht – sowie einer Krautschicht und einer Blütenschicht. Die Krautschicht, die sich aus Stängeln und Blätter der verschiedenen Pflanzen zusammensetzt, zieht vor allem Käfern, Blattläusen, Spinnen und Raupen Wohnraum. Die aus den Blütenköpfen bestehende Blütenschicht wird hauptsächlich von Bienen und Wespen, sowie Schmetterlingen und anderen fliegenden Insekten genutzt.

6. Sonderstandorte schaffen

Sonderstandorte sind besonders für seltene Tierarten nützlich und bieten einen wertvollen Raum für Biodiversität. Unter Sonderstandorten lassen sich im Allgemeinen Standorte mit extremen Bedingungen verstehen. Diese umfassen entweder eine besonders ausgeprägte Trockenheit oder auch Nässe. Das „Besondere“ kann jedoch auch ein besonders großblockiges Material, Torf oder einen Untergrund aus reinem Sand betreffen. Trockensteinmauern etwa sehen vor allem bepflanzt nicht nur schön aus und bilden damit eine ästhetische Alternative zu Zäunen, sondern bieten vor allem Schnecken und Fröschen einen geeigneten Lebensraum. Besonders freuen sich so manche Insekten über eigene Behausungen: Diese können etwa durch das Erstellen eines Bienenhotels oder auch durch eigens gezimmerte Nützlingsunterkünfte verwirklicht werden.

7. Die natürliche Bodenbedeckung zulassen

Ist die Natur nicht ein Wunder? Sie „pflegt“ ihren Nährboden quasi selbst. Eine gute Erde im Garten bildet nicht umsonst die Basis für gesunde Pflanzen. Umso wichtiger ist es, auf eine gute Bodenbedeckung zu achten, was bedeutet, dass Abschnitte und auch Falllaub in deinem Garten gerne liegen bleiben dürfen und nur ausnahmsweise entfernt werden sollten. Selbst gejätete Kräuter dürfen den Boden gerne bedecken, denn sie bieten eine gute Basis für einen nährenden Untergrund. Als Grundsatz gilt: Je mehr auf dem Beet verbleiben darf, umso besser. All diese Naturmaterialen bieten dem Boden einen natürlichen Schutz und verrotten schließlich zu wertvollem Humus.

8. Naturschatz Laubbaum

Im Sommer spenden sie uns im Garten kühlenden Schatten und bieten unter ihrem Blätterdach ein herrliches Plätzchen zum Verweilen. Doch nicht nur das: Laubbäume leisten einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas und bieten mit ihren Blüten und Früchten Insekten und Vögeln Nahrung und Wohnraum.

9. Blühende Stauden

Hortensien, Phlox oder auch Tränendes Herz – die Liste der wunderschön blühenden Stauden ist lange. Sie erfreuen nicht nur das Auge, sondern bieten uns ebenso eine ganze Fülle an Vorteilen. Vor allem bieten sie Insekten eine gute Überwinterungsmöglichkeit und verleihen dem Garten Struktur und Farbe.

10. Es muss nicht immer exotisch sein

Warum in die Ferne schweifen? Zu einem wichtigen Eckpfeiler eines Naturgartens zählen ebenso heimische Pflanzen, welche auch Tieren Herberge und Ernährung bieten: In einem echten  Naturgarten werden Kraut und Unkraut nur sehr unscharf voneinander unterschieden. Durch das Schaffen von unterschiedlichen Klima-, Feuchtigkeits- und Bodenverhältnissen lassen sich die verschiedenen Ansprüche unterschiedlicher Pflanzen erfüllen.

11. Lassen wir es sprießen…

Nicht jeder und alles muss perfekt sein, und dies können wir getrost vor allem über unseren Garten denken. Diesem kleinen Naturparadies wohnt stets die sensible wie auch hochkomplexe Ordnung der Natur inne, die wir vertraut annehmen dürfen. Umso schöner ist es, unseren werdenden Garten beim Gedeihen, bei der Besiedelung mit Insekten und Kleintieren sowie beim Ineinander-Zusammenwachsen zu beobachten. Erst dann eröffnet sich uns ein kleiner Einblick in die Geheimnisse der Natur.

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